Auf dem diesjährigen Assistentinnen Kongress am 15. und 16. Mai 2014 in Berlin war auch zum ersten Mal ein männlicher Teilnehmer vor Ort. Herr Stockburger wurde natürlich begeistert empfangen und spiegelt vielleicht auch einen Wandel in der klassischen Assistenz-Struktur wider.

Die althergebrachten Rollenklischees stimmen sowieso schon lange nicht mehr. Und in diesem Berufszweig arbeiten auch immer mehr männliche Kollegen.

Auf dem Kongress stand uns Herr Stockburger Rede und Antwort zu unterschiedlichen Fragen zu seinem Werdegang, Problemen und Vorurteilen im Job und natürlich zum Kongress selbst.

Das Interview

SMI: Was hat Sie bewogen, sich zum Berliner Assistentinnen Kongress  anzumelden?

A. Stockburger: Ich habe die Broschüre zugeschickt bekommen und war Ende letzten Jahres bei einem Seminar in Frankfurt, bei dem  der Kongress ebenfalls thematisiert wurde. Ich habe mit meiner Kollegin darüber gesprochen und wir haben uns  gemeinsam entschieden den Kongress dieses Jahr zu besuchen. Eigentlich hatten wir erst vor am Seminar „Das professionelle Doppelsekretariat“ teilzunehmen, haben dieses jedoch vorerst verschoben. Anfangs war ich etwas skeptisch, weil die Veranstaltung ja „Assistentinnen Kongress“ heißt. Ich habe eine Kollegin bei Ihnen im Haus angerufen und erstmal nachgefragt, ob es in Ordnung wäre, wenn ich kommen würde. Die Kollegin hat mir gesagt, dass es selbstverständlich kein Problem ist (lacht).

SMI: Wenn ich das richtig verstehe, arbeiten Sie also in einem Doppelsekretariat?

A. Stockburger: Ja ganz genau. Ich weiß nicht, ob ich damit jetzt schon eine Ihrer Fragen vorgreife, aber ich kam, noch während  meiner Ausbildung an diese Stelle. Meine Vorgängerin ging  im März letztes Jahr in Mutterschutz worauf ihre Stelle frei wurde und gleichzeitig stellte sich auch die Frage  in welcher Abteilung es für mich nach der Ausbildung im Sommer 2013 weitergeht. Ich hatte verschiedene Möglichkeiten im Unternehmen tätig zu sein, auch andere Abteilungen standen zur Auswahlt, aber die Stelle der Assistenz  passte einfach am besten. Ich bin ein Organisierertyp.

SMI: Das war also nicht ihr Berufswunsch von Anfang an?

A. Stockburger: Nein, es hat sich so ergeben.

SMI: Was hat Ihnen bisher am besten hier auf dem Kongress gefallen?

A. Stockburger: Am besten fand ich bisher den Vortrag am Donnerstagmorgen. (Anmerkung: Martin Klapheck: „In einer beeindruckenden Kombination aus Vortrag und live gespielten Musikpassagen zeigte Martin Klapheck, wie man seine innere Balance finden, trotz Hindernissen stets sein Bestes geben, Chancen erkennen, Grenzen sprengen und ins Handeln kommen  und damit endlich das erreichen kann, was schon lange in einem schlummert.“). Der Einstiegsvortrag von heute (Dr. Martin Wittschier: „Der Top-Trainer verriet die von ihm erforschten und in der Praxis erprobten Geheimnisse der Erfolgskompetenz. Auf eindrucksvolle Weise zeigte er, wie der eigene Erfolgscode entschlüsselt werden kann und  Ziele auch tatsächlich erreicht werden.“) war auch sehr gut. Sie gingen beide in eine ähnliche Richtung und haben mir sehr gut gefallen.

SMI: Wie fühlen Sie sich als einziger Mann? Unser Grundkonzept ist ja schon auf Frauen ausgelegt, aber wir haben uns alle sehr gefreut, als Sie sich angemeldet haben!

A. Stockburger: Ich fühle mich wohl hier. Es ist alles andere als unangenehm. Klar, dass der Fokus schon ab und zu auf mir liegt (Anmerkung: Gerade die Referenten sprachen Herrn Stockburger natürlich gerne persönlich an), aber das ist absolut ok.

SMI: Finden Sie es sollte mehr Angebote speziell für die männliche Assistenz geben?

A. Stockburger: Neutrale Angebote fände ich am besten. Am Seminar in Frankfurt hat auch ein männlicher Kollege teilgenommen. Ab und zu sind also  auch Männer dabei. Es wäre natürlich super, wenn es Angebote geben würde, die sich auch  mit der Situation/Problemen usw. der männlichen Kollegen auseinandersetzt. Hier auf dem Kongress wurde natürlich meistens die weibliche Rolle fokussiert, aber ich konnte vieles auf mich übertragen. Es war mir vorher bewusst, dass hier viele Frauen sind (lacht).

SMI: Welche Probleme beschäftigen Sie am meisten in Ihrem Beruf? Haben Sie vielleicht andere Themen als Ihre weiblichen Kolleginnen?

Ich habe sehr viel Spaß an meinem Beruf und bin sehr zufrieden. Zu Beginn war es aber merkwürdig, weil es sehr wenige männliche Kollegen in diesem Beruf gibt. Für viele war die Situation sehr ungewohnt und die meisten haben keine Ahnung von dem Berufsfeld und wissen nicht, was alles dahinter steckt. Im Kopf ist oft noch das alte Bild einer Sekretärin vorhanden: Kaffee kochen, tippen usw. Das war am Anfang schwierig zu erklären, dass der Assistenz-Job inzwischen ganz anders aussieht.

SMI: Ist es für Sie vielleicht sogar einfacher? Vielleicht werden Sie z.B. von männlichen Vorgesetzten eher akzeptiert? Sind eher auf Augenhöhe?

Ich weiß nicht, wie es meinen weiblichen Kolleginnen geht aber ich habe wirklich gar keine Probleme. Das Verhältnis zu meinem Chef ist aber auch generell sehr gut. Wir haben einen sehr respektvollen und angenehmen Umgang.  Ich bin ja quasi ins kalte Wasser geworfen worden aber es  war ihm wirklich immer wichtig, dass ich den Einstieg finde. Ich durfte dann im vergangenen Jahr auch relativ bald ein Seminar für Neu- und Quereinsteiger besuchen, das mir beim Einstieg ebenfalls sehr geholfen hat. Ab September mache ich eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Betriebswirt. Auch hierbei habe ich die volle Unterstützung meines Chefs.

SMI: Hatten Sie denn mit Vorurteilen zu kämpfen als männlicher Assistent? Vielleicht in Ihrem Umfeld?

A. Stockburger: In meinem Freundeskreis haben alle zusammen mit der Ausbildung begonnen und sie auch zusammen beendet. Jeder hat erzählt was er danach so macht. Ich habe ganz begeistert erzählt, musste aber erst einmal ein paar Fragen beantworten, da einige ein falsches oder unvollständiges Bild von diesem Berufsbild hatten. Ich habe direkt erklärt, dass ich einerseits den organisatorischen Teil abdecke- meine Freunde wissen, dass ich gut darin bin und dass das "mein Ding" ist. Wenn wir einen Städtetrip machen oder ins Fußballstadion wollen, nach Berlin oder Hamburg,  bin ich meistens derjenige, der das organisiert - Habe dann aber auch erklärt, dass ich auch einige Projekte im Bereich kfm. Dienste / Finanzen habe da ich für den kaufmännischen Vorstand tätig bin und mein Job sehr vielseitig ist.

SMI: Wunderbar! Vielen Dank für das sehr nette Interview und Ihre Offenheit!

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