Sie vertreten die Auffassung, dass die Digitalisierung mehr Chancen als Risiken für Assistenzen birgt.
Inwiefern?
 
Bei vielen Assistenzen gibt es immer noch ein Stirnrunzeln, wenn die Begriffe „Digitalisierung“ oder „Digitale Transformation“ fallen. Das Thema beschäftig diese Berufsgruppe  ja schon länger und immer mal wieder tauchen Schauermärchen auf, wie lange es die klassische Assistenz  überhaupt noch geben wird.
Ich glaube ganz und gar nicht, dass das Büro der Zukunft assistenzlos sein wird, vielmehr bietet die Digitalisierung Assistenzen eine Riesenchance, die eigenen Stärken herauszustellen und zu zeigen, was alles in diesem Profil steckt.
 
Das World Economic Forum hat in einer wunderbaren Tabelle aufgelistet, welche Skills bis 2020 gefragt sein werden. Unter den Top Ten finden sich viele tolle Skills, die in die DNA von Assistenzen reingehören bzw. die wir als Assistenzen schon jetzt beherrschen. Dies gibt uns die Chance, in eine Expertenrolle reinzuwachsen, denn das braucht man in der Digitalisierung: Experten statt Generalisten. Umdenken ist angesagt und das macht richtig Spaß!
 
 
Ich rate daher immer: Besinnt euch auf eure Stärken. Seid stolz auf euer Profil. Schaut, was ihr besonders gut könnt, wofür ihr gelobt werdet.  Zeigt, dass ihr nicht ersetzbar seid. Sorgt dafür, dass ihr anders wahrgenommen werdet. Geht raus, nutzt Weiterbildungsangebote, um eure Stärken mehr zu betonen. Und am allerwichtigsten: Nutzt eure emotionale Intelligenz. Die beherrscht keiner so scharf wie die Assistenz. Da kann auch keine Siri oder Alexa helfen.
 
Das klingt nicht danach, als ob uns künstliche Assistenzen auf lange Sicht ersetzen können?
 
Natürlich werden die künstlichen Assistenzen immer präsenter, auch dank der massiven Werbung der Konzerne. Ich selbst habe wirklich gestaunt, wie menschlich z. B. die Stimme des Google-Assistenten klingt.
https://www.youtube.com/watch?v=D5VN56jQMWM
 
Aber nutzen wir doch einfach die kleinen Helfer. Sie geben uns mehr Zeit, um unsere Energie in neue Kompetenzen zu stecken. Ich finde es wichtig, keine Scheu zu haben und die Dinge einfach mal auszuprobieren. Warum nicht auch gleich zusammen mit dem Vorgesetzten, der dann sehen kann, wie leicht sich bspw. ein Aktienkurs abfragen lässt.
 
Die neue Rolle der Assistenz ist die eines proaktiven digitalen Pioniers. Ein Treiber für Innovation und Technologie.
 
Ist die Notwendigkeit, sich für die Digitalisierung weiterzubilden/fit zu machen, eine Generationenfrage?
 
In meinen Workshops sitzen unterschiedliche Generationen zusammen. Darüber freue ich mich immer sehr.
 
Die jüngere Generation kennt vielleicht die aktuellen Tools und Apps, diese Assistenzen wollen mehr am passenden Mindset arbeiten. Ein Millenial-Chef führt z. B. anders, er hat aber damit einhergehend auch eine andere Erwartungshaltung gegenüber seiner Assistenz. Er bucht seinen Flug selbst, macht vielleicht auch Termine alleine, und sieht seine Assistenz eher in der Rolle eines strategischen Business Partners.
 
Die Assistenz muss zudem trainieren, sich in ihrem Unternehmen richtig zu verkaufen und ihr Umfeld auf ihr Profil und Portfolio zu sensibilisieren. Wir allen kennen den Kampf gegen alte Stereotypen.
 
Die erfahrenen Assistenzen haben zum Teil ein sehr gutes Mindest, sind stolz auf ihre eigene Rolle, benötigen aber Unterstützung, um auch auf der technischen Seite fit zu werden. Die analoge Welt zu verlassen ist hier die Herausforderung und in dieser Rolle kann eine Assistenz den Vorgesetzen wunderbar unterstützen. Und jeder Chef der älteren Generation kann schon morgen durch einen Millenial-Chef ersetzt werden.
 
Das Motto „Fit for future“ gilt also für alle.
 
Sie selbst bezeichnen sich als Digital Native, sind entsprechend präsent in Social-Media-Kanälen. Wie nehmen Sie jemandem die Vorbehalte davor, das Private öffentlich zu machen?
 
Nicht jede Assistenz bekommt die Chance, fortwährend auf Netzwerkveranstaltungen diverse Visitenkarten zu tauschen. Da bietet die virtuelle Welt viele Möglichkeiten, sich zu vernetzen. Es gibt zum einen die professionellen Netzwerke wie Xing oder LinkedIn. Privater Natur sind für mich eher Instagram oder Facebook.
Ich selbst habe aber auch eine Fanpage auf Facebook, wo ich meinen Blog The Socialista Projects führe, entscheide dort jedoch selbst, was ich von mir preisgebe und was ich für wen freigebe.
Grundsätzlich rate ich dazu, sich mit seinem Vorgesetzten eher über Xing oder LinkedIn zu vernetzen und weniger über Facebook ). Aber dies muss letztendlich jeder für sich entscheiden.
 
Was man aber nicht unterschätzen sollte, ist, was die sozialen Medien für eine tolle, kostenlose Recherche-Möglichkeit bieten. Zu allen Themen der Zeit gibt es die passenden Artikel, national und international. Wenn ich eine Frage innerhalb meiner Community stelle, bekomme ich in kürzester Zeit viele spannende und sehr hilfreiche Antworten. Eine äußerst nützliche Wissensdatenbank sind die diversen Foren im Netz.
 
Online-Kontakte müssen zudem  nicht für immer nur online bleiben. Ein Tipp von mir: Vernetzung auf Reisen. Seit einiger Zeit poste ich oftmals  meinen jeweiligen Aufenthaltsort und rufe aktiv zu einem persönlichen Treffen auf. Ich bin immer wieder begeistert, welch tolle Netzwerker es doch da draußen gibt, denn viele melden sich und man trifft sich dann auf einen Kaffee. So sind schon wunderbare Freundschaften entstanden. Und alles mit einem einzigen Post in den sozialen Medien. Toll!
 
Trotzdem ist in Zeiten von Cyber Mobbing Vorsicht geraten. Ich empfehle jedem, regelmäßig den eigenen Namen zu googeln und bei Google auch Bilder von sich zu suchen. . In der heutigen Zeit sollte man sein digitales Ich kennen. Und wenn jemand Schindluder mit meinem Foto treibt, besteht immer die Möglichkeit, Bilder oder Einträge bei Google löschen zu lassen.
 
Muss man 24/7 online sein, um sich unersetzbar zu machen?
 
Die kurze Antwort lautet: Auf keinen Fall.
 
Klar arbeiten wir heute in einer New-Work-Gesellschaft anders. Wir sind  dankbar für die mobilen Möglichkeiten wie das  Home-Office.
Gleichzeitig werden wir natürlich auch ein Stückweit versklavt. Schaut man sich die großen Campusse von einiger Tech Firmen an, sieht man, dass alles dafür getan wird, dass die Mitarbeiter sich wohlfühlen (Yoga, Fitness-Studio auf dem Campus, kostenlose Verpflegung) – aber dafür soll man eben auch möglichst lange da bleiben. Freiwillig.
 
Gerade uns Frauen muss man immer wieder ins Gedächtnis rufen: „Nein“ ist ein ganzer Satz, es bedarf keines „Nein, weil…“. Habt Vertrauen in euch selbst. Wichtig sind klare Regeln mit dem Vorgesetzten, die am besten schon im Vorstellungsgespräch geklärt werden. Natürlich weckt ein Firmenhandy und Laptop auch immer eine Erwartungshaltung. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, wann er online sein will. Man bleibt – egal wie stark man sich im Job engagiert – auch immer eine Privatperson.
 
Abschließend kann ich nur sagen, dass ich die Digitalisierung als wahnsinnig spannendes Momentum für uns Assistenzen sehe. Neben dem Kalender- und Reisemanagement sowie weiteren Admin- und Orgaaufgaben kann man gezielt die Extrameile  gehen, um zu zeigen, was für ein Office-Ninja man ist, und somit zu verdeutlichen, dass die Assistenz niemals ersetzt wird.

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