Christian Bremer Nach einer Harvard-Studie steigt das Herzinfarkt-Risiko von Menschen, die sich oft ärgern, um 500% an.

Gerade Sie als Assistentin/Sekretärin sind so starken Stressfaktoren ausgesetzt, weil das Risiko, sich täglich über Abläufe oder Menschen aufzuregen, enorm hoch ist.

Obwohl alle Beteiligten wissen, dass Unmut nichts bringt, passiert es immer wieder.

Dabei ärgert Ärger doppelt – einmal in der Situation selbst und dann noch einmal danach. Im Umgang mit Mitarbeitern kann eine einmal entstandene Missstimmung zudem lange Zeit nachwirken – und dabei vieles kaputt machen.

Ärger zeigt Situationen auf, die einerseits wiederkehrend sind und andererseits noch nicht locker bewältigt werden können. Sie haben die Wahl – entweder Sie tappen immer wieder in die Ärger-Falle – oder Sie wachen auf und überlegen sich, was Sie noch lernen oder ansprechen müssen, um sich zukünftig nicht mehr aufzuregen.

Ärger ist so gesehen ein Geschenk, denn das Gefühl ist ein Weckruf unseres Körpers. Er hält uns ein Stoppschild vor und zwingt uns dazu, inne zu halten, die Situation zu analysieren, uns selbst zu reflektieren, um dann kraftvoll und effizient zu handeln.

Um gelassener zu werden und seltener zu erzürnen, müssen wir lernen, mit dem aufkommenden Ärger konstruktiv umzugehen. Der Clou ist: Wenn Sie bereit und offen dafür sind, dem Ärger im Augenblick des Entstehens auch Raum zu geben, ist es gleich halb so schlimm. Gegen den ersten Schub können wir grundsätzlich erst einmal gar nichts tun. Danach aber sollten wir die aufkommende Energie dafür nutzen, unsere Meinung zu sagen. Sprechen Sie aus, was Sie stört.

Akzeptieren Sie die Emotion, dass Sie sich ärgern, und lassen Sie sie vorbeigehen. Danach haben Sie einen klaren Kopf, um das Problem zu bewältigen. Seine Emotionen zuzulassen und sie anschließend umzuwandeln ist gerade im Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen essenziell.

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Es gibt 7 klassische, wiederkehrende Situationen, in denen Menschen sich oft ärgern. Dabei gibt es konkrete Wege, wie Sie dem sinnvoll begegnen.

1. Ärger im Straßenverkehr: „Da nimmt der Typ mit doch glatt einfach so die Vorfahrt und entschuldigt sich noch nicht einmal!“ Gedanken wie diese über das mangelnde Fahrtalent anderer kennen Sie. Doch anstatt sich aufzuregen, denken Sie sich zuerst: „Der darf das!“ Freuen Sie sich danach über Ihren eigenen, natürlich stets vollkommen perfekten Fahrstil. Denn Ihnen kann so etwas ja nicht passieren. Aber zum Glück ist nichts passiert, also genießen Sie die Fahrt, die Musik und Ihr Auto.

2. Ärger über Kollegen: Sie sind zum vereinbarten Zeitpunkt im Meeting, doch Ihr Kollegen lässt auf sich warten – mal wieder! Handeln Sie in Situationen wie diesen klug. Anstatt wütend zu sein, rufen Sie denjenigen an und fragen, ob es sich lohnt zu warten. Wenn ja, genießen Sie die Pause und denken an etwas Schönes. Sie wünschen sich so oft eine Pause – jetzt haben Sie eine. Machen können Sie ja sowieso nichts.

3. Ärger über Unordnung: Die Unterlagen liegen unsortiert auf dem Schreibtisch, der Mülleimer quillt über und das Regal hinter dem Schreibtisch Ihres Mitarbeiters ist auch völlig überfüllt. Um dem Chaos gelassen zu begegnen, halten Sie einen Moment inne, anstatt sofort loszumeckern und fragen sich: „Wofür kann ich jetzt dankbar sein?“. Im Falle der unordentlichen Mitarbeiter oder Kollegen seien Sie zunächst dankbar, dass sie alle einen sicheren Arbeitsplatz haben und gutes Gehalt verdienen. In diesem Bewusstsein sprechen Sie deutlich an, warum Sie es anders haben wollen, dann hat Ihre Message gleich eine viel größere Wirkung.

4. Ärger über Angriffe anderer: Wenn Sie das nächste Mal von anderen verbal angegriffen werden, sagen Sie nach einer kurzen Atempause lächelnd mit Blickkontakt: „Interessant, dass Sie das sagen, wie genau meinen Sie das?“ Sie werden sehen, es funktioniert. Erst zeigen Sie so (bitte ehrliches!) Interesse und dann gewinnen Sie Zeit und Informationen. Trainieren Sie das – es macht Sie unabhängig und zu einem starken Gesprächspartner.

5. Ärger über unsinnige Aussagen anderer: „Was für ein Quatsch!“ denken wir häufig, wenn es um andere geht. Doch mal ehrlich: Handeln und denken Sie nicht manchmal genauso und sind in der Hinsicht eigentlich gar nicht besser als die anderen? Nutzen Sie die Fähigkeit Ihres Gehirns, um wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Spannend ist: Ihr Gehirn reagiert besonders stark auf Ihren eigenen Namen. Fordern Sie also laut und deutlich: „Christian, STOPP!“ Wenn andere dabei sind, rufen Sie diese Worte in Gedanken. So kommen Sie aus dem Ärger-Strudel heraus und erkennen, dass Sie selbst auch manchmal Unsinn erzählen. Jetzt sind Sie in der Lage, freundlich und bestimmt Ihre eigene Meinung zum Thema kundzutun.

6. Ärger über sich selbst: Dass uns etwas nicht gelingt oder wir etwas vergessen, kommt eben doch vor. Wenn Sie sich in solchen Momenten denken, „Superstars dürfen das“, und die Frage „Ist es lebensbedrohlich?“ stellen, verfliegt die Aufregung ganz schnell. Sie werden schmunzeln und einsehen, dass es halb so schlimm ist. Beim nächsten Mal achten Sie einfach mehr drauf und haben wieder etwas gelernt.

7. Ärger im Streit: Diskussionen und Auseinandersetzungen mit anderen sind wichtig, regen uns aber dennoch oft auf. Unterbrechen Sie den nächsten lautstarken Streit deshalb kurz und überlegen Sie sich: „Will ich Recht haben oder glücklich sein?“ Das ist eine starke Technik, um zum Kern des Konfliktes zu kommen. Sagen Sie nach dieser „Selbstberuhigung“ dann, was Sie wollen und wozu Sie bereit sind, um den Streit zu schlichten.

Autor: Christian Bremer

Christian Bremer ist Vortragsredner, Businesscoach und Experte für kraftvolle Gelassenheit und wirkungsvolles Stressmanagement. Seit mehr als 20 Jahren unterstützt er Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter und weiß: „Wenn wir unser Energielevel hoch und die Krankheitsrate gering halten wollen, müssen wir lernen, gelassener mit Stress und Ärger umzugehen.“ Christian Bremers Leidenschaft ist es, Menschen mental stark zu machen.

Seine Erfahrung zeigt, dass sich so nicht nur der Status Quo halten lässt, sondern die Effizienz deutlich gesteigert werden kann. Das gilt für Menschen genauso wie für Unternehmen. Der Experte geht sogar noch weiter. Seine Überzeugung: „Stress ist ein Geschenk, denn jedes Gefühl von Ärger ist ein Weckruf unseres Körpers. Wir müssen lernen, mit den angeblichen Störfaktoren Stress, Ärger und Zeitdruck umzugehen und sie in Energie umzuwandeln, die uns besser werden lässt.“

Christian Bremer ist Autor der Bücher „Mit Gelassenheit zum Erfolg“ (2014) und „Das Prinzip Achtsamkeit“ (2015) die im C.H.Beck Verlag erschienen sind. 

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